Ein Interview mit der Lindner Reinraumtechnik GmbH

Fertigstellung am 01.12.2015, Erfahrungsberichte
von Redaktion baupause.de

Die Geschäftsführer Franz Starzer und Martin Bernhardt sprechen über die Entstehung der Lindner Reinraumtechnik GmbH sowie aktuelle und zukünftige Aktivitäten. Seit 1985 gehören sterile Arbeitsumgebungen und partikelfreie Zonen zum Alltag des Tochterunternehmens.

1. Wie ist der Geschäftsbereich bei Lindner entstanden? Aus einem Projekt heraus oder fragte der Markt danach?
Martin Bernhardt: Der Anspruch ergab sich aus der Projektabwicklung. Neben den gewöhnlichen Trockenbauprodukten wurden Hygiene- und Reinraumlösungen erforderlich. Es war ein Team aus fünf bis zehn Mitarbeitern, die sich dieser Thematik annahmen. So kam es dazu, dass dafür eine eigene Abteilung, später ein eigener Geschäftsbereich, ins Leben gerufen wurde.

2. Wie entwickelte sich das Tochterunternehmen seit der Gründung 1985? Inwieweit haben sich Ihre Tätigkeitsfelder verändert?
Martin Bernhardt: Es hat sich einiges getan. In Zahlen ausgedrückt: Von 5-10 Mitarbeiter auf 100 Mitarbeiter. Aus 2 Millionen Euro Umsatz wurden 40 Millionen Euro Umsatz. Von den Standardprodukten Boden, Decke, Wand zum Komplettausbau.
Franz Starzer: Das Angebotsspektrum hat sich stark verändert. In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt im Ausbau von pharmazeutischen Arbeitsumgebungen. Das Portfolio beschränkte sich auf die Produkte Decke, Boden und Wand. Man hatte seine Bestandskunden, mit denen Projekte abgewickelt wurden. Eine Wendung ergab sich durch die Angliederung der Raumtechnik Fellbach GmbH 2004. Das Leistungsspektrum wurde erweitert. Zu den bewährten Reinräumen für die Pharmaindustrie gesellte sich der Mikroelektronik-, OP- und Laborausbau sowie Medizin-, Kunststoff- und Lebensmitteltechnik hinzu. Heute bieten wir unseren Kunden neben den Einzelgewerken auch Komplettlösungen an. Alles aus einer Hand, mit Planung, Entwurf, Produktion und Projektmanagement.


Martin Bernhardt

3. Wie sieht die Auftragslage im Jubiläumsjahr aus? Was sind Ihre spannendsten Projekte?
Martin Bernhardt: Die Auftragslage 2015 ist sehr zufriedenstellend und beschert uns eine gute Auslastung. Wir haben viele schöne Projekte in Bearbeitung. Zum Beispiel den Ausbau der New Solids Launch Facility (NSLF) der Novartis AG, eins der größten Reinraumprojekte in Europa. Die Novartis AG ist das zweitgrößte Pharmaunternehmen der Welt und vertraute bereits bei vergangenen Projekten auf die Leistungen der Lindner Reinraumtechnik GmbH. Ein weiteres spannendes Bauvorhaben ist die Hamad Medical Corporation in Doha. Dort übernehmen wir den Ausbau von hochwertigen OPs.

4. Was planen Sie für die nächsten Jahre? Lassen sich Markttrends erkennen?
Franz Starzer: Für die Zukunft legen wir den Fokus verstärkt auf die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) in Reinräumen. Dabei wollen wir nicht nur als Planer aktiv werden, sondern auch als Ausbauer, um die Schnittstellen für den Bauherrn zu verringern. Denn im Reinraum birgt jede Art von Schnittstelle das Risiko einer Qualitätslücke im System. Unsere hohe Fertigungstiefe und die Möglichkeit zum Komplettausbau minimieren diese Fehlerquellen maßgeblich.
Martin Bernhardt: Bereits jetzt bedienen wir Kundenwünsche aus der ganzen Welt. Das Geschäft im Ausland möchten wir jedoch zukünftig weiter vorantreiben. Die Umsatzsteigerung im Auslandsgeschäft ist aber nicht nur ein Ziel der Lindner Reinraumtechnik GmbH, sondern der gesamten Lindner Group.
Franz Starzer: Ein Trend, den wir immer mehr spüren, ist die Anforderung nach Behaglichkeit und Design. Das gilt nicht nur für den Patienten, sondern auch für das Personal. Beim Ausbau tritt neben technischen Funktionen immer mehr die Gestaltung in den Vordergrund. Neue Materialien, wie Glas, kommen hierbei verstärkt zum Einsatz. Wir verbauen in OPs aber beispielsweise auch hinterleuchtete Wände mit Fotoprints.


Franz Starzer

5. Was unterscheidet Lindner von anderen Anbietern?
Martin Bernhardt: Für saubere, partikelfreie Bereiche braucht man qualitativ hochwertige Produkte. Diese stellen wir unseren Kunden zur Verfügung. Dabei bieten wir ein breites Leistungsspektrum mit hoher Fertigungstiefe. Von Boden, Decke, Wand über Türen bis hin zu Leuchten u. v. m.
Professionelles Projektmanagement mit eigenen Bauleitern und Monteuren auf den Baustellen sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Und natürlich für zufriedene Kunden.
Ein wohl bedeutender Vorteil für uns ist, dass wir sehr flexibel sind. Wir können fast jede Projektanforderung realisieren, unabhängig von Größe und Schwierigkeitsgrad. Natürlich verfügen wir über Standardprodukte, unsere Kernkompetenzen liegen jedoch in der Verwirklichung von Sonderlösungen.

6. Was waren die bedeutendsten Projekte seit der Gründung?
Franz Starzer: Gute Frage. Wir hatten so viele spannende Projekte in der Vergangenheit. Aber eins der bedeutendsten ist auf alle Fälle Viatris in Bad Homburg. Mit der Realisierung des Blutanalysezentrums vor etwa zwölf Jahren ebneten wir unseren Weg als Komplettausbauer.
Der Neubau des OP-Zentrums der LMU am Campus Großhadern ist aber mindestens genauso besonders für uns. Auf einer Fläche von ca. 15.000 m² entstanden 32 OP-Säle.

7. Noch ein Wort zu 50 Jahre Lindner: Was sind Ihre Gedanken zur Reise durch die Unternehmensgeschichte?
Martin Bernhardt & Franz Starzer: 50 Jahre Lindner heißt zugleich 30 Jahre Lindner Reinraumtechnik GmbH. Es ist beeindruckend, wie sich das Unternehmen seit 1965 entwickelt hat. Angefangen als kleiner Akustikbauer bietet Lindner heute dem Markt ein breit gefächertes Angebotsspektrum und Qualität „Made in Germany“.